Der Knoten im Gehirn
Wenn ein Linkshänder umgeschult wird
Bart Simpson ist einer, Kurt Cobain war einer und auch Albert Einstein soll Linkshänder gewesen sein. Bei Letzterem scheiden sich jedoch die Geister. Unstrittig ist allerdings, dass in Deutschland ungefähr 20% der Bevölkerung Linkshänder sind, weltweit sollen es cirka 652 Millionen sein.
Kinder, die lieber mit der linken Hand arbeiten, werden von Erziehern und Lehrern glücklicherweise schon lange nicht mehr dazu gedrängt, die rechte Hand zu benutzen. Bis in die 80er Jahre sah das noch anders aus. Linkshändigen Kindern wurde das Schreiben mit der rechten Hand antrainiert - früher mit brachialen, später mit sanfteren Methoden, immer jedoch mit ungeahnten Folgen.
Heute kann ein Kind problemlos mit der linken Hand arbeiten. Dank einiger Hilfsmittel wie Scheren, Schreibunterlagen oder Schreibgeräten für Linkshänder und der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass einfach nur die rechte statt der linken Gehirnhälfte dominant ist, sind kaum Probleme zu erwarten. Findet sich ein Kind trotzdem schlecht zurecht, weil es beispielsweise beim Schreiben eine ungünstige Haltung hat oder sogar verkrampft, gibt es anerkannte und speziell ausgebildete Ergotherapeuten, die Hilfe geben können.
Kinder, deren Schreibhand bewusst oder unbewusst umgeschult wurde, haben häufig zu kämpfen. Die ständige Überbelastung der linken Gehirnhälfte kann zu erheblichen Störungen führen. Denn Kinder, die mit der „falschen“ Hand schreiben, brauchen dafür viel mehr Energie und Ausdauer. Die primären Folgen können beispielsweise Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Lese-Rechtschreib-Störungen und Sprachauffälligkeiten sein. Betroffene Kinder sind oft unsicher, ziehen sich zurück oder leiden unter Minderwertigkeitskomplexen.
Oft dauert es sehr lange, bis erkannt wird, worauf diese Probleme zurückzuführen sind. Nur eine langwierige Rückschulung auf die linke Hand und psychologische Betreuung können helfen. Doch woran erkennt man eigentlich, ob ein Kind Linkshänder ist? Die Händigkeit manifestiert sich schon zwischen dem 10. und 20. Lebensmonat. Kinder, die beim Malen die linke Hand bevorzugen oder abwechselnd beide Hände benutzen, sollten nicht dazu gedrängt werden sich festzulegen. Um den Kleinen eine freie Wahl zu lassen, könnten Eltern bespielsweise auch den Löffel immer in die Mitte des Essplatzes legen.
Denn Linkshändersein ist keine Schande. Übrigens gibt es in der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ nur Linkshänder, denn Matt Groening, der Erfi nder, ist natürlich auch einer.
Dieser Artikel erschien im Juli 2007 im Schlawiner, dem Leipziger Stadtmagazin für Familien. Den Beitrag können Sie sich hier auch im Original-Layout (PDF, 147 KB) ansehen.
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